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Körperliche Gewalt erklärt
Dein Körper und deine Gesundheit sind das Wertvollste, das du besitzt. Niemand darf dich gegen deinen Willen verletzen – und trotzdem hast du das vielleicht schon erlebt. Denn körperliche bzw. physische Gewalt ist alltäglich. Du kannst dazu auch Körperverletzung sagen. Gemeint sind absichtliche Handlungen, die dir körperlich oder gesundheitlich schaden.
Körperliche Gewalt kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor. Und an vielen Orten: Zuhause, in der Öffentlichkeit, in Pflegeeinrichtungen usw.
Typische Täter oder Opfer gibt es nicht.
Zwar werden Männer deutlich öfter handgreiflich, doch auch Frauen üben Gewalt aus. In engen Beziehungen wiederholen sich die Übergriffe häufig. So entsteht aus dem „einmaligen Ausrutscher“ ein Muster.

06.08.2024
Seelische Gewalt: Der innere Schmerz
Sind Verletzungen durch körperliche Gewalt immer auf den ersten Blick erkennbar? Bei blauen Flecken und blutigen Wunden ist das eindeutig der Fall. Anders sieht es aus bei äußerlich „unsichtbaren“ Spuren (innere Blutung, Gehirnerschütterung).
Hinzu kommen die Wunden auf deiner Seele: Tut dir jemand körperlich weh, leidet meist auch dein Innenleben. Darum hängen physische und seelische Gewalt normalerweise zusammen.
Tödliche Beziehung
Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau bei einem Angriff durch ihren (Ex)Partner. Wird eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist, sagt man dazu Femizid.
Das ist die extremste Form von körperlicher Gewalt gegen Frauen.
Quelle: BMFSFJ
9 Beispiele für körperliche Gewalt:
- Jemand versucht, dich zu töten.
- Jemand schlägt, stößt oder tritt dich.
- Du wirst absichtlich verbrüht oder verbrannt (etwa mit Zigaretten).
- Jemand vergiftet dich oder gibt dir heimlich K.o.-Tropfen (Link intern).
- Du wirst an den Haaren gezogen.
- Jemand würgt dich.
- Du wirst geschüttelt.
- Jemand hält dich fest.
- Du wirst angegriffen und mit Fäusten, Gegenständen oder Waffen verletzt.
Das sind die Folgen
„Ich kann selbst kaum begreifen, was hier passiert. Warum sollten mir andere glauben?“ So denken viele Opfer körperlicher Gewalt. Sie sind beschämt, haben Angst und fühlen sich hilflos ausgeliefert.
Manche verharmlosen die Angriffe oder finden Ausreden. Einige versuchen, die Spuren an ihrem Körper zu verstecken. Besonders dann, wenn sie dem Täter/der Täterin nahe stehen.
Körper und Seele leiden
Häufig treten Kopfschmerzen sowie Verdauungs-, Ess- und Schlafstörungen auf. Eventuell bist du niedergeschlagen und kannst dich schlecht konzentrieren. Oder du fühlst dich erschöpft bis depressiv.
Manche richten die erlebte Gewalt gegen sich: Sie konsumieren Suchtmittel oder fügen sich Verletzungen zu (Ritzen, Verbrennungen mit Zigaretten). Selbstmordgedanken sind keine Seltenheit.
Viele Betroffene ziehen sich aus Scham von ihrem sozialen Umfeld zurück und brechen Kontakte ab. Das ist gefährlich: Wenn du still leidest und nichts unternimmst, wird die Gewalt wahrscheinlich stärker. Vielleicht steht sogar dein Leben auf dem Spiel!
Bist du dem Täter über längere Zeit ausgesetzt, kann das dein Selbstbewusstsein zerstören.
Eine mögliche Folge ist, dass du nach der Trennung wieder an einen gewalttätigen Partner gerätst. Das passiert meist unbewusst. Weil du denkst, du hättest es „nicht besser verdient“.

Wer ist betroffen?
Erleben Frauen körperliche Gewalt, sind die Täter zum Großteil männlich. Meistens schlagen (Ex-)Partner oder andere nahestehende Personen zu.
Wenn du mit dem Täter eine Beziehung hast oder hattest, ist das häusliche Gewalt.
In dem Zusammenhang bekommen Kinder und Jugendliche oft Übergriffe gegen ihre Mutter mit. Sie sind ebenfalls Opfer, obwohl sie „nur“ zusehen. Diese Erfahrung kann ihr späteres Leben stark beeinflussen.
Wenn Kinder Gewalt (mit)erleben
Bekommt das Jugendamt mit, dass Kinder in ihrem Zuhause nicht sicher sind, muss es handeln. Notfalls auch gegen den Willen der Eltern.
Der Staat hat die Aufgabe, Minderjährige zu schützen. Darum hat das Jugendamt besondere Rechte bei Kindeswohlgefährdung.
Menschen, die auf Hilfe von außen angewiesen sind, trifft es besonders hart: Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben viel häufiger körperliche Gewalt. Auch Babys bleiben nicht verschont.
Manche Eltern schütteln ihren schreienden Säugling aus Verzweiflung. Das kann zu tödlichen Gehirnverletzungen führen. Andererseits gibt es Kinder, die ihre Eltern (oder andere Kinder/Jugendliche) körperlich verletzen.

Auch werdende Mütter sind unter den Opfern. Manche werden festgehalten und bekommen Medikamente ohne Einwilligung oder Aufklärung. Teils kommt es unter der Geburt zu unnötigen und groben Untersuchungen. Das ist körperliche Gewalt.
Laut Schätzungen ist jede zweite bis dritte Frau davon betroffen. Viele begreifen das erst Jahre später. Als frisch gebackene Mütter haben sie dafür keinen Kopf. Vor allem, wenn sie immer wieder hören: „Sei doch froh, dass dein Baby gesund ist.“
Körperliche Gewalt in der Pflege
Überschreiten z.B. Demenzkranke Grenzen, können Pflegekräfte energisch darauf reagieren. Doch solche Übergriffe passieren auch einseitig: Teils werden Pflegebedürftige mit Bettgittern und Gurten fixiert.
So ticken die Täter
Viele Täter haben selbst Gewalt erlebt. Für sie ist das ein Mittel der Kommunikation. Wie man Konflikte friedlich löst oder Verantwortung für seine Gefühle übernimmt, haben sie nie gelernt. Sie lassen ihren Frust an anderen aus. Oft geben sie ihrem Opfer die Schuld daran.
Einige männliche Täter haben ein gestörtes Verständnis von Männlichkeit. Sie fühlen sich Frauen überlegen, wollen sie besitzen und kontrollieren. Sie glauben, sie hätten das Recht und die Pflicht, Frauen zu schlagen.
Dann gibt es noch Extremfälle. Manche rasten völlig aus und können sich danach nicht mehr an Details erinnern. Andere haben eine krankhaft gestörte Persönlichkeit (z.B. Psychopathen, Narzissten).
Alles Narzissten?
Es gibt viele psychische Krankheiten mit erhöhter Gewaltbereitschaft. Die Diagnose kann aber nur ein Facharzt stellen!
Aber nicht nur Männer sind übergriffig. Auch Frauen schlagen zu – was ein Tabu ist. Denn die Gesellschaft traut ihnen solche Taten weniger zu. Was steckt dahinter? Teils ist es der Druck, perfekt zu sein: als Partnerin, Mutter und Karrierefrau. Das führt zu Überforderung, Stress und Frust.
In der Regel sind Frauen körperlich weniger stark als Männer. Diesen Nachteil gleichen sie aus. Etwa, indem sie „Hilfsmittel“ nutzen: Sie werfen Gegenstände wie Aschenbecher, Vasen oder Pfannen nach der anderen Person. Manche Täterinnen verbrühen ihr Opfer mit heißen Getränken. Andere beißen zu.
Betroffene Männer haben es besonders schwer: Sie schämen sich, zuzugeben, dass ihre Partnerin sie schlägt. Darum schweigen die meisten und sehen von einer Anzeige ab. So bleibt die tatsächliche Gewaltbereitschaft von Frauen im Dunkeln.

4 Arten von Körperverletzung
Du hast wie jeder Mensch in Deutschland das „Recht auf körperliche Unversehrtheit“. Das steht sogar im Grundgesetz. Körperverletzung ist eine Straftat. Auch der Versuch! Das steht im Strafgesetzbuch (StGB):
- Du wirst vergiftet.
- Jemand verletzt dich mit einem gefährlichen Gegenstand oder eine Waffe.
- Mehr als eine Person oder eine Gruppe verletzen dich körperlich.
- Der Täter tut erst so, als würde er es gut mit dir meinen. Dann schlägt er plötzlich zu.
- Du schwebst durch den Angriff in Lebensgefahr.
- Du bist durch die Verletzung stumm, taub oder blind.
- Die Tat hat dich unfruchtbar gemacht.
- Ein wichtiges Körperteil ist unbrauchbar oder musste entfernt werden.
- Du bist für den Rest deines Lebens entstellt (Säure-Angriff).
- Du bist für immer krank, gelähmt, geistig oder körperlich behindert.
Normalerweise wird ein Angreifer nur bestraft, wenn er eine Tat bewusst beging und die Folgen gewollt hat („vorsätzlich“). Bei Körperverletzung ist auch eine „fahrlässige“ Tat strafbar. Das passiert oft im Straßenverkehr.
Beispiel: Du fährst Auto und übersiehst einen Radfahrer. Er verletzt sich, obwohl das nicht deine Absicht war. In dem Falls hast du „fahrlässig“ gehandelt, weil du unaufmerksam warst. Damit bist du für die Verletzung verantwortlich.
Du stirbst an den Folgen der Verletzung.
Körperliche Gewalt vorbeugen
Um körperliche Gewalt in Zukunft zu verhindern, müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen. Denn Gewalt ist seit jeher in unserer Gesellschaft verankert.
Bis in die 1970er Jahre galten Prügelstrafen in deutschen Schulen als erlaubtes und gern genutztes Erziehungsmittel. Zuhause erging es den Kindern oft nicht besser. Dass die Eltern ihnen weh taten, war traurige Normalität.
„Ist doch bloß ein Klaps!“
So wurde eine Ohrfeige verharmlost. Das sagen manche Menschen heute noch.
Damit beschönigen sie eine Gewalttat.
Mittlerweile sind Körperliche und seelische Strafen in der Erziehung verboten. Trotzdem beginnt der Gewaltkreislauf oft in den Familien. Eltern und Verwandte werden übergriffig und geben ihr eigenes Trauma an die nächste Generation weiter. Laut Wissenschaft können wir unsere inneren Wunden sogar genetisch weitervererben!
Gewalt als Normalität
Wie wir miteinander umgehen, formt unsere Normalität. Und die ist aktuell von Gewalt geprägt.
Körperverletzung ist Teil unserer „Unterhaltungskultur“
Sei achtsam und beobachte dich: Bist du schon so abgestumpft, dass dich Gewaltdarstellungen gar nicht berühren? Reflektiere, kläre deinen Nachwuchs auf, sprich offen über körperliche Gewalt und verharmlose sie nicht. Hole Hilfe, wenn du Zeugin von solchen Taten wirst.
Hilfe-Kompass
Mit den Folgen einer Straftat musst du nicht alleine klarkommen. Du hast ein Recht auf Schutz, Hilfe, Unterstützung und Information.
Wer schlägt, der geht!
Nach diesem Prinzip funktioniert das Gewaltschutzgesetz.
Ziel ist es, die Betroffenen zu schützen und (weitere) Gewalt zu verhindern.
Wenn du angegriffen oder bedroht wirst:
- Schreie, so laut du kannst.
- Wähle die 110.
- Fordere Personen in der Umgebung auf, dir zu helfen.
- Fühlst du dich bedrängt und hast Angst: Renne lieber weg, als die Konfrontation zu suchen!
- Präge dir Aussehen und auffällige Merkmale des Täters/der Täterin ein
Hinschauen – hinhören – handeln
Wer bei einer Gewalttat zusieht oder zuhört, ohne die Polizei zu rufen, macht sich strafbar. Das ist unterlassene Hilfeleistung.
Nach der Tat:
- Beweise sichern: Fotografiere deine Verletzungen. Notiere Aussehen und Merkmale des Täters oder nimm dazu eine Sprachnachricht auf. Halte Datum und Uhrzeit fest. Mach das so bald wie möglich. Je mehr Zeit vergeht, desto schlechter wirst du dich an Details erinnern.
- Gewaltambulanz: Dort arbeiten Rechtsmediziner, die deine Verletzungen dokumentieren, so dass sie vor Gericht als Beweise gelten. Gehst du selbst in die Ambulanz, kannst du eine vertrauliche Spurensicherung ohne Anzeige bei der Polizei machen lassen.
Deine Anlaufstelle nach Gewalttaten
„Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“: 116 016
Kostenlos – anonym – in vielen Sprachen – 24/7 erreichbar
Die Mitarbeiterinnen glauben dir! Sie unterstützen dich und vermitteln Kontakte zu Polizei, Gewaltambulanz oder Anwältin.
- Anzeige wegen Körperverletzung kannst du bei jeder Polizeidienststelle erstatten. Die Beamten bringen dich in eine Gewaltambulanz. Lass dich von einer Vertrauensperson (Freunde/Familie, die keine Zeugen der Tat sind) oder einem Rechtsbeistand (Anwältin) begleiten. Der Weiße Ring bietet auch kostenlosen Beistand an.
Weitere Anlaufstellen
Dort bist du sicher (auch deine Kinder), dein Aufenthaltsort wird geheim gehalten. Du kannst in Ruhe überlegen, was du tun willst. Frauenhäuser in ganz Deutschland siehst du hier.
Findest du in dieser Datenbank.
SOFORT den Rettungsdienst (112) alarmieren! Gestresste Eltern können eine Schreibaby-Beratung aufsuchen.
Psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige.
Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene: 116 111 .
Wenn du mitbekommst (oder den Verdacht) hast, dass ein Minderjähriger Gewalt erlebt, wende dich an das Jugendamt in deiner Nähe.
Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.
FAQ
Was ist körperliche Gewalt?
Wenn jemand deinen Körper oder deine Gesundheit angreift, ist das körperliche/physische Gewalt bzw. Körperverletzung. Beispiele: Jemanden schlagen, an den Haaren ziehen, schubsen, treten, festhalten, schütteln, vergiften, mit Waffen oder Gegenständen verletzen usw.
Ist körperliche Gewalt strafbar?
Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Körperverletzung ist laut Strafgesetzbuch (StGB) verboten. Auch der Versuch ist strafbar. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Sie sind rechtlich Schutzbefohlene und wer sie misshandelt, verstößt gegen das Gesetz.
Wer sind die Täter, wer die Opfer?
Es gibt keine typischen Täter oder Opfer. Körperliche Gewalt kennt weder Alter noch Geschlecht oder Status. Sie passiert in allen Bereichen der Gesellschaft: In den eigenen vier Wänden, in der Öffentlichkeit, in Einrichtungen wie Krankenhäusern und Schulen. Sind Frauen betroffen, geht die Gewalt meistens von Männern aus.
Was kann ich bei körperlicher Gewalt tun?
In einer Notsituation wähle die 110. Du kannst Anzeige bei der Polizei erstatten. Die Beamten bringen dich in eine Gewaltambulanz, wo deine Verletzungen dokumentiert werden. Somit dienen sie als Beweismittel vor Gericht, falls es später zum Prozess kommt. Unterstützung bekommst du auch beim kostenlosen Hilfe-Telefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016.




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