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Körperliche Gewalt: Wut auf deiner Haut

von

Conni Wilz

Frau hat köerperliche Gewalt erlebt Femformation
Körperliche Gewalt ist ein Verbrechen. © Raphael auf Pixabay

Blaue Flecken verschwinden, doch die Angst bleibt: Körperliche Gewalt geschieht überall und jeden Tag. Männer schlagen zwar häufiger zu – doch auch Frauen werden handgreiflich.

Körperliche Gewalt erklärt

Dein Körper und deine Gesundheit sind das Wertvollste, das du besitzt. Niemand darf dich gegen deinen Willen verletzen – und trotzdem hast du das vielleicht schon erlebt. Denn körperliche bzw. physische Gewalt ist alltäglich. Du kannst dazu auch Körperverletzung sagen. Gemeint sind absichtliche Handlungen, die dir körperlich oder gesundheitlich schaden.

Körperliche Gewalt kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor. Und an vielen Orten: Zuhause, in der Öffentlichkeit, in Pflegeeinrichtungen usw.

Typische Täter oder Opfer gibt es nicht.

Zwar werden Männer deutlich öfter handgreiflich, doch auch Frauen üben Gewalt aus. In engen Beziehungen wiederholen sich die Übergriffe häufig. So entsteht aus dem „einmaligen Ausrutscher“ ein Muster.


Seelische Gewalt Femformation

06.08.2024


Sind Verletzungen durch körperliche Gewalt immer auf den ersten Blick erkennbar? Bei blauen Flecken und blutigen Wunden ist das eindeutig der Fall. Anders sieht es aus bei äußerlich „unsichtbaren“ Spuren (innere Blutung, Gehirnerschütterung).

Hinzu kommen die Wunden auf deiner Seele: Tut dir jemand körperlich weh, leidet meist auch dein Innenleben. Darum hängen physische und seelische Gewalt normalerweise zusammen.

Zahlen_Fakten

9 Beispiele für körperliche Gewalt:

  1. Jemand versucht, dich zu töten.
  2. Jemand schlägt, stößt oder tritt dich.
  3. Du wirst absichtlich verbrüht oder verbrannt (etwa mit Zigaretten).
  4. Jemand vergiftet dich oder gibt dir heimlich K.o.-Tropfen (Link intern).
  5. Du wirst an den Haaren gezogen.
  6. Jemand würgt dich.
  7. Du wirst geschüttelt.
  8. Jemand hält dich fest.
  9. Du wirst angegriffen und mit Fäusten, Gegenständen oder Waffen verletzt.

Das sind die Folgen

„Ich kann selbst kaum begreifen, was hier passiert. Warum sollten mir andere glauben?“ So denken viele Opfer körperlicher Gewalt. Sie sind beschämt, haben Angst und fühlen sich hilflos ausgeliefert.

Manche verharmlosen die Angriffe oder finden Ausreden. Einige versuchen, die Spuren an ihrem Körper zu verstecken. Besonders dann, wenn sie dem Täter/der Täterin nahe stehen.

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Viele Betroffene ziehen sich aus Scham von ihrem sozialen Umfeld zurück und brechen Kontakte ab. Das ist gefährlich: Wenn du still leidest und nichts unternimmst, wird die Gewalt wahrscheinlich stärker. Vielleicht steht sogar dein Leben auf dem Spiel!

Bist du dem Täter über längere Zeit ausgesetzt, kann das dein Selbstbewusstsein zerstören.

Eine mögliche Folge ist, dass du nach der Trennung wieder an einen gewalttätigen Partner gerätst. Das passiert meist unbewusst. Weil du denkst, du hättest es „nicht besser verdient“.

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Körperliche Gewalt verletzt auch die Seele. © Anete Lusina Pexels

Wer ist betroffen?

Erleben Frauen körperliche Gewalt, sind die Täter zum Großteil männlich. Meistens schlagen (Ex-)Partner oder andere nahestehende Personen zu.

Wenn du mit dem Täter eine Beziehung hast oder hattest, ist das häusliche Gewalt.

In dem Zusammenhang bekommen Kinder und Jugendliche oft Übergriffe gegen ihre Mutter mit. Sie sind ebenfalls Opfer, obwohl sie „nur“ zusehen. Diese Erfahrung kann ihr späteres Leben stark beeinflussen.

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Menschen, die auf Hilfe von außen angewiesen sind, trifft es besonders hart: Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben viel häufiger körperliche Gewalt. Auch Babys bleiben nicht verschont.

Manche Eltern schütteln ihren schreienden Säugling aus Verzweiflung. Das kann zu tödlichen Gehirnverletzungen führen. Andererseits gibt es Kinder, die ihre Eltern (oder andere Kinder/Jugendliche) körperlich verletzen.

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Körperliche Gewalt gegen werdende Mütter ist keine Seltenheit ©Daniel Reche auf Pixabay

Auch werdende Mütter sind unter den Opfern. Manche werden festgehalten und bekommen Medikamente ohne Einwilligung oder Aufklärung. Teils kommt es unter der Geburt zu unnötigen und groben Untersuchungen. Das ist körperliche Gewalt.

Laut Schätzungen ist jede zweite bis dritte Frau davon betroffen. Viele begreifen das erst Jahre später. Als frisch gebackene Mütter haben sie dafür keinen Kopf. Vor allem, wenn sie immer wieder hören: „Sei doch froh, dass dein Baby gesund ist.“

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So ticken die Täter

Viele Täter haben selbst Gewalt erlebt. Für sie ist das ein Mittel der Kommunikation. Wie man Konflikte friedlich löst oder Verantwortung für seine Gefühle übernimmt, haben sie nie gelernt. Sie lassen ihren Frust an anderen aus. Oft geben sie ihrem Opfer die Schuld daran.

Einige männliche Täter haben ein gestörtes Verständnis von Männlichkeit. Sie fühlen sich Frauen überlegen, wollen sie besitzen und kontrollieren. Sie glauben, sie hätten das Recht und die Pflicht, Frauen zu schlagen.

Dann gibt es noch Extremfälle. Manche rasten völlig aus und können sich danach nicht mehr an Details erinnern. Andere haben eine krankhaft gestörte Persönlichkeit (z.B. Psychopathen, Narzissten).

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    Aber nicht nur Männer sind übergriffig. Auch Frauen schlagen zu – was ein Tabu ist. Denn die Gesellschaft traut ihnen solche Taten weniger zu. Was steckt dahinter? Teils ist es der Druck, perfekt zu sein: als Partnerin, Mutter und Karrierefrau. Das führt zu Überforderung, Stress und Frust.

    In der Regel sind Frauen körperlich weniger stark als Männer. Diesen Nachteil gleichen sie aus. Etwa, indem sie „Hilfsmittel“ nutzen: Sie werfen Gegenstände wie Aschenbecher, Vasen oder Pfannen nach der anderen Person. Manche Täterinnen verbrühen ihr Opfer mit heißen Getränken. Andere beißen zu.

    Betroffene Männer haben es besonders schwer: Sie schämen sich, zuzugeben, dass ihre Partnerin sie schlägt. Darum schweigen die meisten und sehen von einer Anzeige ab. So bleibt die tatsächliche Gewaltbereitschaft von Frauen im Dunkeln.

    Körperliche Gewalt Femformation
    Auch Frauen üben körperliche Gewalt aus. © Zach Guinta Unsplash

    4 Arten von Körperverletzung

    Du hast wie jeder Mensch in Deutschland das „Recht auf körperliche Unversehrtheit“. Das steht sogar im Grundgesetz. Körperverletzung ist eine Straftat. Auch der Versuch! Das steht im Strafgesetzbuch (StGB):

    Körperliche Gewalt vorbeugen

    Um körperliche Gewalt in Zukunft zu verhindern, müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen. Denn Gewalt ist seit jeher in unserer Gesellschaft verankert.

    Bis in die 1970er Jahre galten Prügelstrafen in deutschen Schulen als erlaubtes und gern genutztes Erziehungsmittel. Zuhause erging es den Kindern oft nicht besser. Dass die Eltern ihnen weh taten, war traurige Normalität.

    Ist doch bloß ein Klaps!

    So wurde eine Ohrfeige verharmlost. Das sagen manche Menschen heute noch.
    Damit beschönigen sie eine Gewalttat.

    Mittlerweile sind Körperliche und seelische Strafen in der Erziehung verboten. Trotzdem beginnt der Gewaltkreislauf oft in den Familien. Eltern und Verwandte werden übergriffig und geben ihr eigenes Trauma an die nächste Generation weiter. Laut Wissenschaft können wir unsere inneren Wunden sogar genetisch weitervererben!

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    Sei achtsam und beobachte dich: Bist du schon so abgestumpft, dass dich Gewaltdarstellungen gar nicht berühren? Reflektiere, kläre deinen Nachwuchs auf, sprich offen über körperliche Gewalt und verharmlose sie nicht. Hole Hilfe, wenn du Zeugin von solchen Taten wirst.

    Hilfe-Kompass

    Mit den Folgen einer Straftat musst du nicht alleine klarkommen. Du hast ein Recht auf Schutz, Hilfe, Unterstützung und Information.

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    Wenn du angegriffen oder bedroht wirst:

    • Schreie, so laut du kannst.
    • Wähle die 110.
    • Fordere Personen in der Umgebung auf, dir zu helfen.
    • Fühlst du dich bedrängt und hast Angst: Renne lieber weg, als die Konfrontation zu suchen!
    • Präge dir Aussehen und auffällige Merkmale des Täters/der Täterin ein

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    Nach der Tat:

    • Beweise sichern: Fotografiere deine Verletzungen. Notiere Aussehen und Merkmale des Täters oder nimm dazu eine Sprachnachricht auf. Halte Datum und Uhrzeit fest. Mach das so bald wie möglich. Je mehr Zeit vergeht, desto schlechter wirst du dich an Details erinnern.
    • Gewaltambulanz: Dort arbeiten Rechtsmediziner, die deine Verletzungen dokumentieren, so dass sie vor Gericht als Beweise gelten. Gehst du selbst in die Ambulanz, kannst du eine vertrauliche Spurensicherung ohne Anzeige bei der Polizei machen lassen.

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    • Anzeige wegen Körperverletzung kannst du bei jeder Polizeidienststelle erstatten. Die Beamten bringen dich in eine Gewaltambulanz. Lass dich von einer Vertrauensperson (Freunde/Familie, die keine Zeugen der Tat sind) oder einem Rechtsbeistand (Anwältin) begleiten. Der Weiße Ring bietet auch kostenlosen Beistand an.

    Weitere Anlaufstellen


    Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.

    Avatar von Conni Wilz

    Körperliche Gewalt ist erschreckend normal. In vielen Familien werden Ohrfeigen verteilt ohne schlechtes Gewissen. Weil die Menschen oft selbst damit aufgewachsen sind. Konflikte friedlich zu lösen ist eine Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft. Jede Einzelne trägt dazu bei – auch du und ich.

    Frauensupport

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    Kommentare zu „Körperliche Gewalt: Wut auf deiner Haut“

    1. Avatar von Uschi Müller
      Uschi Müller

      Ich finde Euren Internetauftritt sehr gelungen und sehr hilfreich für betroffene Frauen und Mädchen. Ihr habt wertvolle Zeit 8nvestiert und etwas sehr hilfreiches damit geschaffen. Ich werde auf Euren Internetauftritt in meinem Bekanntenkreis hinweisen – falls jemand für sich oder andere aktuell oder in Zukunft kometente „Ersthilfe“ benötigt, der sie vertrauen kann. Besten Dank an Euch.

      1. Avatar von Bea Berger

        Liebe Uschi, vielen Dank für dein positives Feedback. Solche Kommentare motivieren uns, weiter dran zu bleiben. Wir wollen mit unseren Infos ganz viele Menschen erreichen und haben noch viele Themen auf Lager. Da wird noch einiges kommen 🙂