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Seelische Gewalt erklärt
Es ist kein Schlag, der dich schmerzt, sondern neben einer bestimmten Person das ständige Gefühl, wertlos zu sein. Das ist ein typischer Hinweis auf seelische Gewalt. Du kannst das auch psychische oder emotionale Gewalt nennen. Alle Begriffe beschreiben eine Gewaltform, die deine Würde, deinen Stolz und dein Selbstbewusstsein verletzt.
Täter halten ihre Opfer auf diese Weise klein.
Warum tun sie das?
Sie wollen Kontrolle und Macht ausüben.
Auf den ersten Blick ist seelische Gewalt schwer zu erkennen. Sie läuft häufig im Hintergrund ab und entwickelt sich schleichend. Viele Betroffene verdrängen ihr inneres Leid, indem sie sich und Außenstehenden vormachen, alles wäre in Ordnung.
Sie beschönigen die schlechte Beziehung zum Täter bzw. zur Täterin oder finden Ausreden für sein/ihr Verhalten. Dass sie Gewaltopfer sind, begreifen sie erst spät.
Unterscheide:
Wenn jemand im Streit kurz laut wird und seinem Ärger Luft macht, ist das menschlich. Es passiert uns allen. Das ist keine seelische Gewalt.
Gezielte Gewalt hat System. Sie richtet sich wiederholt gegen eine andere Person. Das Ziel ist, sie einzuschüchtern, zu schwächen und zu verunsichern.
Psychische Gewalt ereignet sich überall: Sowohl in Familie, Partnerschaft und Ehe als auch im privaten Umfeld, in Behörden und am Arbeitsplatz. Es gibt keine typischen Täter oder Opfer – doch eine Gemeinsamkeit: Die Betroffenen werden so lange klein gemacht, bis sie selbst daran glauben.
Seelische Gewalt braucht keine körperliche Stärke.
Deshalb sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. In Paarbeziehungen passiert das besonders oft. Vor allem, wenn eine Trennung im Raum steht.
Außerdem kann sich seelische Gewalt gegen Pflege- und Schutzbedürftige richten: Kinder und Jugendliche werden aufgrund ihrer Unterlegenheit sehr leicht zum Opfer – oft innerhalb der eigenen Familie. In Kliniken erleben viele Frauen Erpressung und verbale Gewalt unter der Geburt.
10 Beispiele für seelische Gewalt
- Jemand beschimpft und demütigt dich („Du blöde Kuh kriegst nichts auf die Reihe.“)
- Du erlebst unvorhersehbare Wutausbrüche und wirst dabei aggressiv angebrüllt.
- Jemand kontrolliert deine sozialen Kontakte und will dich isolieren.
- Du wirst bedroht und genötigt („Wenn du das nicht tust, wird es dir schlimm ergehen.“)
- Jemand macht sich über dich lustig und mobbt dich.
- Du wirst in der Wohnung/an anderen Orten ein- oder ausgesperrt.
- Jemand ignoriert dich absichtlich und nutzt Liebesentzug als Druckmittel.
- Du wirst emotional erpresst („Trennst du dich von mir, wirst du die Kinder nie wieder sehen.“)
- Jemand stellt dir nach/stalkt dich.
- Über dich werden Lügen und Gerüchte verbreitet („Sie geht mit jedem ins Bett.“)

Das sind die Folgen
Seelische Gewalt zerstört dich langsam und leise. Als Opfer kannst du Ängste, Schlaf- und Essstörungen entwickeln. Schnell gerätst du immer tiefer in eine Spirale, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Das kann zu Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken oder schlimmstenfalls zum Suizid führen. Besonders schwer ist es, wenn der Täter dich isoliert und du keine Unterstützung durch soziale Kontakte bekommst.
Seelische Gewalterfahrungen können dein Leben prägen. Selbst wenn du dein gewalttätiges Umfeld längst hinter dir gelassen hast. Die Gefahr, in der Opferrolle gefangen zu bleiben, ist groß. Viele Betroffene fühlen sich der Welt hilflos ausgeliefert. Sie lassen sich weiterhin schlecht behandeln, weil sie denken, es verdient zu haben. Sie fühlen sich schnell schuldig und für die Probleme anderer verantwortlich. Es besteht das Risiko, wieder an gewalttätige Personen zu geraten.

07.10.2025
Gewalt gegen Frauen
Ein gewaltfreies Leben ist ein Menschenrecht. Trotzdem erleben Frauen und Mädchen täglich Übergriffe. Ob Belästigung, Bedrohung, Prügel oder Rassismus: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter.
Wie ticken die Täter?
Die Täter (darunter Männer und Frauen) sind oft nahestehende Personen. Darum ist es nicht so leicht, ihnen aus dem Weg zu gehen. Einige zeigen sich in der Öffentlichkeit hilfsbereit, freundlich und fürsorglich. Mit ihrem Charme wickeln sie alle um den Finger – ihr wahres Gesicht verbergen sie. Darum wird Betroffenen häufig nicht geglaubt, wenn sie vom Missbrauch erzählen.
Viele Täter stehen mit sich selbst im Konflikt: Ihre Ängste und Unsicherheiten verwandeln sie in Wut. Anstatt das zu hinterfragen, machen sie andere für ihre Emotionen verantwortlich. Das Opfer wird zur Projektionsfläche ihres Zorns. Dann fallen Sätze wie: „Ich tue das nur, weil du mich ständig provozierst.“ Manchmal leugnen die Täter voller Überzeugung, Dinge getan oder gesagt zu haben. Durch dieses Gaslighting kannst du das Vertrauen in deine Wahrnehmung verlieren.
Vorsicht vor Wölfen im Schafspelz!
Diese Menschen tarnen ihre bösen Absichten als Zuneigung. Vorgespielte Freundlichkeit und falsches Wohlwollen sind Teil ihrer Strategie. Etwa sagen sie: „Ich tue das nur, weil ich dich liebe…“
So wird der Missbrauch als „gute Tat“ verkauft. Das ist Manipulation auf hohem Niveau. Manche sind darin so gut, dass sie die Betroffene und deren Umfeld blenden.
Wölfe schaffen es, ihre Opfer lange Zeit in ihren Bann zu ziehen. Sie sind sehr raffiniert. Wenn sie merken, dass die auserwählte Person ihnen entgleitet oder misstrauisch wird, nähern sie sich an. Sie machen Geschenke und Komplimente, zeigen ihre liebevolle Seite. Dadurch wiegen sich die Opfer in falscher Sicherheit.

Seelische Gewalt: Achte auf diese Anzeichen
Die Tricks der Täter bzw. Täterinnen sind meist schwer zu durchschauen. Darum solltest du deine Sinne schärfen. Das hilft auch, wenn du schon seelische Gewalt erlebt hast und sie in Zukunft vermeiden willst. Beachte: Es ist nicht dein Job, die Täter zu therapieren oder zu ändern. Darum Lege den Fokus auf dich. Wie fühlst du dich, was lässt du mit dir machen? Was passiert hier gerade wirklich?
Das können Anzeichen emotionaler Gewalt sein:
- Du hast Angst vor dem Verhalten einer bestimmten Person, besonders bei Konflikten.
- Du hast das Gefühl, wertlos zu sein und nichts zu können, da dich dieser Mensch immer wieder kritisiert. Das macht er auch gezielt vor anderen Leuten, damit alle mitbekommen, wie „ungenügend“ du bist.
- Du fühlst dich von dieser Person nicht ernst genommen. Sie macht sich über deine Emotionen, Hobbys und Wünsche lustig.
- Du bist im Beisein dieses Menschen sehr unsicher und traust dich nicht, über deine Bedürfnisse zu sprechen. Wenn du es tust, zählt es ohnehin nicht.
- Du vertraust mehr auf die Meinung dieser anderen Person als auf deine eigene. Sie hat dir oft vermittelt, dass deine Ansichten unwichtig, unrealistisch oder „falsch“ sind.
- Die Vorstellung, dich von diesem Menschen zu trennen, macht dir riesige Angst. Denn er hat dir eingeredet, dass du es ohne ihn niemals schaffen wirst.
Seelische Gewalt: 4 häufige Straftaten
Psychische Gewalt ist kein eigener Straftatbestand. Das heißt, dieser Begriff steht nicht im Strafgesetzbuch (StGB). Allerdings gibt es Handlungen, die zu seelischer Gewalt zählen und gesetzlich verboten sind:
„Hure“, „Drecksau“, Arschloch“: Das sind strafbare Beleidigungen, weil sie dich missachten und deine Ehre verletzen. Das gilt aber nur, wenn du als Opfer die Beleidigung wahrnimmst. Dasselbe gilt für indirekte Beleidigungen: Eine Person erzählt herum, dass du eine „Schlampe“ bist. Fühlst du dich dadurch gedemütigt, ist es eine Straftat.
Du kannst auch schriftlich, durch Bilder oder Gesten (Mittelfinger) und Taten (Anspucken) beleidigt werden. Das geht sogar passiv: Wenn jemand bewusst nicht verhindert (obwohl er es könnte), dass andere beleidigende Texte über dich verbreiten. Dieses Nichthandeln nennt man „unterlassen“. Das wird genauso bestraft wie aktive Beleidigung.
Stell dir vor, jemand zwingt dich, etwas gegen deinen Willen zu tun, zu erdulden oder zu lassen. Darum geht es bei Nötigung: Der Täter will dich unter Druck setzen, damit du dich verhältst, wie er es möchte. Etwa will er dich dazu bringen, eine Schwangerschaft abzubrechen. Sogar der Versuch der Nötigung ist strafbar.
Nötigung geschieht durch Einschüchterung oder den Einsatz von Gewalt. Ein beliebtes Mittel ist die Ankündigung negativer Konsequenzen mit dem Ziel, dir Angst zu machen. Zum Beispiel droht dir der Täter mit weiterer Gewalt oder dem Veröffentlichen privater Informationen. Ob er das ernst meint, spielt keine Rolle. Sobald es dir Angst macht oder dich unter Druck setzt, zählt es als Nötigung.
Stalking kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie „anschleichen“. Das deutsche Wort dafür ist Nachstellung. Beide Begriffe bezeichnen einen Angriff auf deine persönliche Freiheit: Du wirst gegen deinen Willen wiederholt terrorisiert, belästigt, überwacht, verfolgt und bedroht. Etwa durch Telefonanrufe, E-Mails, Briefe oder hinterlassene Notizen. Geschieht das übers Internet, ist es Cyberstalking.
Seelische Gewalt wird noch härter bestraft, wenn sie an Schutzbefohlenen verübt wird. Darunter fallen Kinder und Jugendliche, die noch nicht volljährig sind, sowie Personen, die krank oder gebrechlich und dadurch wehrlos sind. Sie stehen in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis zu Täter/Täterin. Das heißt:
a) Das Opfer untersteht seiner/ihrer Obhut oder Fürsorge (z.B. Betreuer oder Eltern).
b) Es gehört demselben Hausstand an.
c) Es ist dem Täter/der Täterin durch ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis untergeordnet.
Emotionale Gewalt ist die häufigste Form von Kindesmisshandlung!
Wer einen Schutzbefohlenen misshandelt oder seine Fürsorgepflicht so vernachlässigt, dass er dessen Gesundheit gefährdet, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Allein der Versuch ist strafbar. Es ist auch Misshandlung eines Schutzbefohlenen, wenn derjenige, der für ihn sorgen sollte, ihn der Gewalt eines anderen überlässt.
Das kannst du als Opfer tun
- Wenn du jetzt bedroht oder angegriffen wirst, wähle die 110!
- Notiere die Gewalttaten in einem Tagebuch mit Datum und Uhrzeit. Damit du etwas in der Hand hast, falls du Anzeige erstatten willst.
- Sammle Beweise in Form von E-Mails und speichere Chatverläufe.
- Haben Zeugen mitbekommen, wie du beleidigt oder bedroht wurdest, schreibe ihre Kontakte auf. Sie können bei Polizei und Gericht für dich aussagen und das Verhalten des Täters bestätigen.
- Bekommst du mit, dass Minderjährige seelische Gewalt erleben, verständige Polizei oder Jugendamt. Diese Möglichkeit haben auch betroffene Kinder und Jugendliche.
- Hole dir therapeutische Unterstützung.
Beachte
Für minderjährige Gewaltopfer gilt das Kindschaftsrecht.
Für volljährige Opfer von Gewalt gibt es das Gewaltschutzgesetz.
Hier wirst du kostenlos und anonym beraten
116 016 (erreichbar 24/7 in vielen Sprachen – auch Gebärdensprache per Chat über www.hilfetelefon.de oder Beratung per Mail.)
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (erreichbar 24/7, auch per Chat oder Mail über www.telefonseelsorge.de)
116016
Für Kinder und Jugendliche: 116 111.
Rufe dort an, wenn du mitbekommst oder vermutest, dass ein Kind in deinem Umfeld seelischen Missbrauch erlebt. Das nächste Amt findest du hier.
Zurück zur eigenen Stärke
Hast du bereits im Kindesalter seelischen Missbrauch erlebt, spürst du die Folgen oft lebenslang. Zum Beispiel fühlst du dich wertlos. Oder es fällt dir schwer, Beziehungen einzugehen und anderen Menschen zu vertrauen.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du an gewaltsame Partner/Freunde gerätst. Weil dir so ein Verhalten bekannt und vertraut ist. Diese Reaktion ist ganz normal. Schließlich kennst du aus deiner Familie keinen Respekt und liebevolle Zuwendung.
Raus aus der Opferrolle
Du kannst das schaffen – auch wenn du dich gerade klein fühlst. Der erste Schritt ist eine gute Beziehung zu dir selbst. Kümmere dich gut um dich. Das mag ungewohnt sein, weil du vielleicht gelernt hast, dass deine Bedürfnisse nicht zählen. Aber du kannst das üben. Jeden Tag ein bisschen.
Denk dran: Du hast das Recht, glücklich zu sein. Du darfst dein Leben nach deinen Vorstellungen gestalten. Egal, was andere dazu sagen. Du brauchst niemandes Erlaubnis.
Du kannst lernen, deine Grenzen zu achten, Nein zu sagen und auf dein Bauchgefühl zu hören. Wenn du magst, lass dich dabei von Coaches und Therapeutinnen unterstützen. Empfehlenswert sind Selbstverteidigungs-Kurse für Frauen. Darin lernst du, selbstsicher und mutig aufzutreten. Die beste Vorbeugung gegen Gewalt ist innere Stärke.
Nutze deine Stimme.
Wirst du manipuliert oder ist jemand aus deinem Umfeld von emotionaler Gewalt betroffen, sprich es an.
Die Täter sollen merken: ihre Masche ist durchschaubar. Generell wird über dieses Thema zu wenig geredet – Liebesentzug und emotionale Erpressung sind erschreckende Normalität. Du kannst das stoppen, indem du dir so ein Verhalten nicht bieten lässt.
Alles halb so schlimm?
Der Täter oder die Täterin behauptet, dass du übertreibst? Und dein Umfeld sieht das genauso? Denk daran: Es zählt, ob du die Situation als schlimm empfindest.
In Worten steckt die Macht, andere zu verletzen. Darum solltest du dein Tun hinterfragen: Wann manipulierst du? Wie sehr setzt du jemanden unter Druck, um deinen Willen zu bekommen? In welchen Momenten sorgst du gezielt dafür, dass eine Person ein schlechtes Gewissen bekommt? Wir tragen die Verantwortung, wie wir miteinander umgehen.
Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.
FAQ
Was ist seelische Gewalt?
Wenn ein Mensch dem Innenleben eines anderen schadet, ist das seelische Gewalt. Du kannst dazu auch psychische oder emotionale Gewalt sagen. Sie verletzt Würde, Stolz und Selbstbewusstsein. Beispiele: kontrollieren und beleidigen, jemandem das Gefühl geben, wertlos zu sein, eine Person emotional erpressen, ignorieren, bloßstellen und auslachen.
Ist seelische Gewalt strafbar?
Im Strafgesetzbuch ist der Begriff nicht erwähnt. Doch es gibt Straftaten, die zur Kategorie seelische Gewalt zählen. Etwa Beleidigung, Nötigung und Stalking.
Wer sind die Täter, wer die Opfer?
Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche üben seelische Gewalt aus. Sie sind ebenso davon betroffen. Diese Form der Gewalt passiert in allen Bereichen der Gesellschaft. Pflege- und Schutzbedürftige werden besonders oft zu Opfern.
Was kann ich gegen seelische Gewalt tun?
Wähle bei akuter Bedrohung die 110. Du kannst Anzeige bei der Polizei erstatten und je nach Situation per Gericht gegen den Täter vorgehen. Infos bekommst du bei kostenlosen Hilfestellen.
Seelische Gewalt: Wie ticken die Täter?
Viele Täter verhalten sich anderen gegenüber freundlich. Sie sind oft beliebt und erfolgreich. Ihre Psycho-Spielchen treiben sie verdeckt. Zum Beispiel leugnen sie, bestimmte Dinge getan oder gesagt zu haben. Ihre bösen Absichten tarnen sie als gute Taten, manipulieren das Opfer und dessen Umfeld.




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