Häusliche Gewalt: Es passiert meist hinter verschlossenen Türen

von

Conni Wilz

Frau sitzt am Tisch Thema häusliche Gewalt
Frauen sind stark von häuslicher Gewalt betroffen. © Yoel Peterson Unsplash

Häusliche Gewalt ist immer Beziehungsgewalt. Zum Täterkreis gehören Partner, Verwandte und Familienmitglieder. Sie üben meist im privaten Raum Gewalt aus. Manche bedrohen ihr Opfer auch auf offener Straße.

Häusliche Gewalt erklärt

Häusliche Gewalt ereignet sich zwischen Menschen, die einander nahe stehen oder standen. Sie ist demnach immer Beziehungsgewalt. Meist finden die Taten im privaten Raum statt. Verborgen hinter geschlossenen Türen. Manche Opfer werden aber auch auf offener Straße bedroht. Häusliche Gewalt geschieht sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene. Du unterscheidest zwei Unterarten:

10 Beispiele für häusliche Gewalt

  1. Festhalten, schubsen, gegen die Wand drücken.
  2. Stalking: Dein Ex-Partner verfolgt dich, spioniert dir hinterher, bombardiert dich mit Anrufen und Nachrichten
  3. Du wirst gedemütigt („Du bist wertlos!“) und beschimpft („Schlampe!“).
  4. Der Täter droht damit, deine Kinder oder Haustiere zu verletzen.
  5. Er wirft Gegenstände nach dir.
  6. Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaft.
  7. Tritte, Schläge, Würgen und Verbrennen.
  8. Du wirst kontrolliert (Handy überwachen, Geldbeutel wegnehmen).
  9. Der Täter sperrt dich zuhause oder an anderen Orten ein.
  10. Er isoliert dich, indem er deinen Kontakt zu Freunden und Familie unterbricht.
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So ticken die Täter

Ob Plattenbau oder Villa – häusliche Gewalt kommt in allen Kreisen der Gesellschaft vor. Die Täter wollen Macht gewinnen und Kontrolle ausüben. Zum Großteil stammen sie aus dem vertrauten Umfeld des Opfers.

Es gibt gemeinsame Erlebnisse, Gewohnheiten und Erinnerungen, die verbinden. Durch diese Nähe können viele Betroffene kaum begreifen, wie schlimm ihre Lage wirklich ist. Vor allem wenn der Täter bzw. die Täterin behauptet, alles sei in Ordnung.

Einige spielen Angst und Schmerz der Betroffenen herunter. Es fallen Bemerkungen wie: „Das bildest du dir nur ein.“ Jemanden derart zu manipulieren, nennt man Gaslighting. Besonders dreiste Menschen werfen ihrem Opfer vor, die Übergriffe provoziert zu haben. Ein klassischer Fall von Täter-Opfer-Umkehr.

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Oft überwachen die Täter ihre Opfer. Sie verbieten soziale Kontakte und kontrollieren das Handy. Hier kommt teils auch finanzielle Unterdrückung ins Spiel: Dann dürfen die Betroffenen kein eigenes Geld verdienen oder kein Konto besitzen. Einige Täter nehmen ihnen Brieftasche samt Ausweis und Papieren weg.

„Mach doch einfach Schluss“, mögen manche denken.
Wenn das so einfach wäre!

Abhängigkeit kann es schwer bis unmöglich machen, sich aus einer Gewaltbeziehung zu befreien. Etwa fürchten Migranten, dass sie durch eine Trennung die Aufenthaltserlaubnis verlieren könnten.

Ein großes Machtgefälle besteht auch, wenn sich der Täter bzw. die Täterin um das pflegebedürftige Opfer kümmert – oder vom Opfer gepflegt wird.

Frau mit Ehering häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt: Auch Frauen sind unter den Tätern. © Laura Chouette Unsplash.

Auch Frauen üben häusliche Gewalt aus

Frauen werden ebenfalls zu Tätern. Sie wenden häufiger psychische Gewalt an, indem sie etwa kontrollieren, drohen, beleidigen oder erpressen. Manche schlagen zu. Sind Frauen körperlich unterlegen, verletzen sie mit Gegenständen.

Sexuelle Übergriffe gehen auch von Frauen aus.

Damit kommen sie häufig ungestraft davon. Der Grund: Die betroffenen Männer schweigen aus Angst und Scham. Ihnen fällt es schwer, sich als Opfer zu sehen. Einige befürchten, dass ihnen niemand ihre Geschichte abkauft – und sie am Ende selbst als Täter abgestempelt werden.

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Fazit: In den meisten Fällen gibt es keine klaren Täter-Opfer-Konstellation. Fast 75 Prozent der Befragten sahen sich sowohl auf Täter- als auch auf Opferseite.

    Ist häusliche Gewalt strafbar?

    Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Auch wenn sie meistens hinter verschlossenen Türen stattfindet. Sie wird nicht als eigene Straftat im Gesetz erwähnt. Aber du kannst viele Formen häuslicher Gewalt im Strafgesetzbuch (StGB) nachlesen. Hier sind 3 häufige Verbrechen:



    Das Gewaltschutzgesetz

    Das Gewaltschutzgesetz richtet sich unter anderem an Opfer häuslicher Gewalt. Den Kern des Gesetzes bilden Wohnungszuweisungen nach dem Motto: „Wer schlägt, der geht“. Dabei ordnet das Gericht an, dass der Gewalttäter die Wohnung verlassen muss. Für Eheleute gilt das genauso wie für unverheiratete Paare.

    Wenn Kinder im Spiel sind

    Kinder sind abhängig und deshalb häufig von allen Formen häuslicher Gewalt betroffen. Erleben sie Gewalt zwischen ihren Eltern mit, leiden junge Menschen als indirekte Opfer sehr darunter. Selbst wenn die Erwachsenen oft meinen, der Nachwuchs würde das nicht mitbekommen.

    Da bei Trennungen ein höheres Gewaltrisiko besteht, müssen Kinder und Jugendliche besonders behütet werden.

    Bei Konflikten in Familien ist das Jugendamt eine der ersten Anlaufstellen. Du wirst dort kostenlos beraten, wenn du dich von deinem Partner trennen willst und Gewalt fürchtest. Außerdem sind die Mitarbeiter an einer späteren Gerichtsverhandlung zu Themen wie Sorgerecht und Umgangsrecht beteiligt.

    Übrigens informiert die Polizei das Jugendamt automatisch, wenn bei einem Einsatz mit häuslicher Gewalt Kinder und Jugendliche anwesend waren.

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    Eltern als Täter

    Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen hat in Deutschland 2023 einen neuen Höchststand erreicht: Fast 64.000 Fälle wurden offiziell erfasst. Darunter Vernachlässigung (58 Prozent) sowie psychische und körperliche Misshandlungen. In 73 Prozent der Gefährdungen gingen die Taten von der eigenen Mutter bzw. dem eigenen Vater aus.

    Das kannst du als Opfer häuslicher Gewalt tun

    Kennst du diese Gedanken?

    • Ich bin selbst schuld.
    • Eine Trennung kann ich unseren Kindern nicht antun.
    • Aber ich liebe ihn doch.
    • Was sollen die Nachbarn (oder Freunde und Familie) denken?
    • Alleine schaffe ich es nicht.

    Viele Opfer häuslicher Gewalt haben diese Glaubenssätze verinnerlicht . Darum bleiben sie in einer Situation, die schlecht für sie ist. Manche verwechseln Liebe mit Abhängigkeit und kehren nach der Trennung zum Täter zurück. Für die Betroffenen ist es daher enorm wichtig, ihr Verhaltensmuster zu erkennen und sich Hilfe zu holen.

    Deine Möglichkeiten und Anlaufstellen

    In ganz Deutschland gibt es kostenlose und teils anonyme Beratungsstellen. Nutze diese Angebote. Auch wenn du „nur“ ein ungutes Gefühl hast und nicht sicher bist, ob du gerade Gewalt erlebst.

    Code-Wörter bei häuslicher Gewalt

    Du bist ständig vom Täter umgeben und hast keine Minute alleine? Dann helfen Code-Wörter. Die kannst du als Opfer von häuslicher Gewalt sogar nutzen, wenn der Täter direkt neben dir steht.

    Frage in einer Apotheke, Arztpraxis oder Klinik nach einer „Maske 19“.

    Dann wissen die Mitarbeiter, dass du dringend Hilfe brauchst. Sie rufen unauffällig die Polizei oder schreiben deine Kontaktdaten für die Lieferung der Maske auf. Diese Daten werden an Behörden weitergegeben.

    „Ist Luisa hier?“

    Wirst du in einer Bar oder einem Club belästigt, bedroht oder bedrängt, stelle dem Personal diese Frage oder bestelle an der Theke einen „Angel Shot“.

    Auf Festivals lautet das Code-Wort: „Wo geht´s nach Panama?“

    Hören informierte Mitarbeiter diese Sätze, werden sie dich in einen abgetrennten Bereich („Safe Space“) begleiten, wo du Hilfe bekommst. Auf vielen Veranstaltungen gibt es solche „Awareness-Teams“. Sie sind geschult und springen bei Übergriffen ein.

    Megafon Femformation

    Stummer Hilferuf per Handsignal

    Es gibt ein weltweit bekanntes Handzeichen, womit du unauffällig um Hilfe bitten kannst.
    Wer das Zeichen erkennt, ruft die Polizei.

    Handzeichen Häusliche Gewalt Femformation

    1. Öffne deine Hand.

    Handzeichen Häusliche Gewalt Femformation

    2. Lege den Daumen auf die Handfläche.

    Handzeichen Häusliche Gewalt Femformation


    3. Klappe die anderen vier Finger nach unten und umschließe damit den Daumen.

    Häusliche Gewalt erkennen und vorbeugen

    Häusliche Gewalt geht alle an. Ob im Alltag, auf offener Straße oder im Hausflur: schau hin, höre hin! Nimm Weinen, Schreie und Hilferufe ernst – alarmiere die Polizei!

    Wenn du Zeugin von Gewalt wirst und nichts unternimmst, ist das unterlassene Hilfeleistung (Straftat).

    5 mögliche Anzeichen für häusliche Gewalt

    1. Eine Person aus deinem Umfeld weist Verletzungen (blaues Auge, Blutergüsse) auf und hat dafür keine oder eine unglaubwürdige Erklärung.
    2. Sie vernachlässigt soziale Kontakte, zieht sich immer mehr zurück und hat immer neue Ausreden, um Verabredungen abzusagen.
    3. Diejenige muss ihren Partner immer um Erlaubnis fragen und trifft keine eigenen Entscheidungen mehr.
    4. Die Person hat kein eigenes Geld zur Verfügung.
    5. Sie leidet unter Angst- und Panikattacken oder hat andere seelische Probleme.
    Häusliche Gewalt Femformation
    Häusliche Gewalt hinterlässt tiefe Spuren. © Sydney Sims Unsplash.

    So kannst du Betroffenen helfen

    Wenn du weißt oder vermutest, dass ein Mensch aus deinem Umfeld häusliche Gewalt erlebt, wende dich an eine der oben genannten Hilfestellen. Sie werden dir sagen, wie du weiter vorgehen solltest. Außerdem kannst du Folgendes tun:

    • Zeige der Betroffenen, dass du für sie da bist und ihr zuhörst.
    • Sei verständnisvoll und frage nach: „Kann es sein, dass…“
    • Erkläre der Person, welche Hilfsmöglichkeiten sie hat. Sei dabei nicht aufdringlich. Denn es ist nicht leicht, sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu lösen.
    • Sei nicht böse oder verurteilend, wenn die Person deine Hilfe nicht (sofort) annimmt.
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    Es kann dauern, sich von häuslicher Gewalt zu erholen ©pexels nappy

    Zeit, zu heilen

    Als Opfer häuslicher Gewalt ist dein Selbstwert wahrscheinlich im Keller. Ein Mensch, dem du vertraut hast, hat dich ausgenutzt und erniedrigt. Diese Erfahrung hinterlässt tiefe Spuren. Es ist wichtig, dass du das Geschehene aufarbeitest.

    Kümmere dich um deine Heilung, damit du nicht wieder an gewalttätige Personen gerätst.

    Hole dir bei Bedarf Unterstützung von Therapeuten oder Coaches. Sie helfen dir, die Beziehung zu dir selbst zu stärken. Das heißt: Du nimmst dich und deine Bedürfnisse wichtig, setzt gesunde Grenzen und stehst für dich ein. Weil du fest überzeugt bist, ein glückliches Leben verdient zu haben. Mit diesem Mindset bist du für toxische Menschen nicht mehr interessant.


    Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.

    Avatar von Conni Wilz

    Häusliche Gewalt passiert jeden Tag mitten in unserer Gesellschaft. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen und müssen uns damit auseinandersetzen. Nur so können wir die Kreisläufe durchbrechen.

    Frauensupport

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