Gewaltambulanz
Eine Gewaltambulanz ist eine medizinische Einrichtung. Andere Begriffe dafür sind klinisch-forensische oder rechtsmedizinische Ambulanz. Dort arbeiten speziell ausgebildete Ärzte (Rechtsmediziner), die Verletzungen und andere Spuren von Gewalt untersuchen und dokumentieren. Diese Experten sichern Beweise, um diese für einen späteren Gerichtsprozess verwertbar zu machen.

07.10.2025
Gewalt gegen Frauen
Ein gewaltfreies Leben ist ein Menschenrecht.
Wer kann in die Gewaltambulanz gehen?
Diese Anlaufstellen gibt es in ganz Deutschland für alle Menschen, die gewaltsam verletzt wurden. Etwa durch körperliche Gewalt einschließlich K.o.-Tropfen, Vergewaltigung (auch bei Verdacht darauf) oder Misshandlung. Unfallopfer können sich ebenfalls dorthin wenden. In Gewaltambulanzen werden Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer untersucht und beraten. Auch ohne Anzeige bei der Polizei.
Gut zu wissen
Gewaltambulanzen sind keine klassischen Opferhilfe-Einrichtungen. Sie stehen auf niemandes Seite und vermitteln ausschließlich neutrale Infos. Daher können auch Tatverdächtige dort vorbeikommen, um sich zu entlasten: Sie nutzen diese Kontrolle, damit sie bei Gericht gegebenenfalls freigesprochen werden.
Was die Gewaltambulanz leistet
Die Ärzte schauen sich die Verletzungen genau an. Sie machen Fotos, behandeln die Wunden und verfassen einen Bericht. Außerdem sichern sie Spuren an Körper und Kleidung. Bei Verdacht auf K.o.-Mittel werden spezielle Untersuchungen durchgeführt, um diese Substanzen nachzuweisen.
Gewaltambulanzen bieten medizinische, rechtliche und psychosoziale Unterstützung an. Wenn nötig, vermitteln sie an weiterführende Stellen (z. B. medizinische Fachärzte, Opferhilfe-Einrichtungen oder Rechtsberatungsstellen).
Ist die Untersuchung anonym?
Eine Untersuchung ohne Anzeige heißt „vertrauliche Spurensicherung“. Oft wird dieser Begriff mit „anonym“ gleichgesetzt. Das stimmt nicht. Denn es würde bedeuten, dass die untersuchte Person gar keine Daten von sich preis gibt.
Richtig ist:
Die sichergestellten Spuren müssen einer Person zugeordnet werden. Deshalb kann man sie nicht anonym aufbewahren. Du musst also deine Daten angeben. Teils ist ein Pseudonym möglich (Z.B. Ziffer-Buchstaben-Kombination). Gewaltambulanzen beachten den Datenschutz: Solange die Polizei nicht beteiligt ist, werden keine Infos weitergegeben.
3 Wege zur Gewaltambulanz
- Bei der Polizei anrufen oder persönlich vorbeikommen, um Anzeige zu erstatten. Die Beamten bringen das Gewaltopfer in die Ambulanz, wenn sie den Verdacht für begründet halten. Untersuchung samt Beweissicherung sind mit Anzeige kostenlos.
- Zur Ambulanz gehen ohne Anzeige und die Kosten dafür selbst übernehmen (ob welche entstehen, hängt vom jeweiligen Bundesland ab).
- Opferhilfe-Einrichtungen wie den Weißen Ring kontaktieren, einen RMU (rechtsmedizinischer Untersuchungscheck) bekommen und damit in die Ambulanz gehen. Das Dokument befreit Gewaltopfer, die erstmal keine Anzeige erstatten wollen, von den Kosten der Untersuchung.
Spätere Anzeige
Bei Optionen 2 und 3 können die Betroffenen später in Ruhe entscheiden, ob sie Anzeige erstatten wollen. Die Ambulanz bewahrt die Beweise etwa ein Jahr lang auf.
Gewaltambulanz: Was muss ich beachten?
Auch wenn es schwer fällt: Gewaltopfer sollten nach der Tat unbedingt ihre Kleidung anbehalten und sich auf keinen Fall waschen (auch nicht die Hände) oder duschen. Wenn es möglich ist, auch nichts trinken oder zur Toilette gehen. Gegenstände, die der Täter angefasst hat, sollte man mitbringen (idealerweise einzeln in Papiertüten verpackt).
Warum sind Gewaltambulanzen so wichtig?
Es gibt Verletzungen, die sehr schnell abheilen. Spuren einer Vergewaltigung, Würgemale oder K.o.-Mittel sind nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar. Darum ist der Gang zur Gewaltambulanz so wichtig. Die Rechtsmediziner arbeiten schnell und professionell, damit nichts verloren geht. Spuren verwerten sie „gerichtsfest“, sodass sie bei einem späteren Prozess als Beweise gelten. „Normale“ Krankenhäuser und Ärzte können das in der Regel nicht.

