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Was Gewalt gegen Frauen bedeutet
Wenn du dir eine Frau vorstellen sollst, die Gewalt erfahren hat – welches Bild hast du im Kopf? Vielleicht einen bandagierten Arm, Blutergüsse oder ein blaues Auge. So werden die Opfer häufig dargestellt.
Doch Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst beim Zuschlagen: Es geht schon los, wenn dich jemand grob am Arm packt oder mit Worten bedroht. Und zwar, weil du eine Frau bist („geschlechtsspezifische Gewalt“).
Die Spanne reicht von Angriffen auf dein Selbstvertrauen bis hin zu Körperverletzung. Im schlimmsten Fall endet das tödlich. Täter sind überwiegend Männer. Sie haben unterschiedliche soziale Hintergründe: Ein Chefarzt kann genauso übergriffig sein wie ein Fahrlehrer.
Gewalt gegen Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit
Sie passiert in allen Lebensbereichen auf verschiedene Arten. Dabei ist der gefährlichste Ort das eigene Zuhause!
Gewalt gegen Frauen passiert überall:
- in Ehe, Partnerschaft oder Familie
- in der Geburtshilfe
- auf offener Straße
- am Arbeitsplatz
- zuhause
- online
- auf Reisen
- im Club
- bei Behörden
Manchmal ist Gewalt auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Vor allem, wenn sie auf seelischer Ebene stattfindet. Zum Beispiel leugnet dein Partner Dinge, die er getan oder gesagt hat. Und behauptet, du würdest dir alles nur einbilden. Solche Psycho-Spielchen können bewirken, dass du an deiner Wahrnehmung zweifelst.

Das „typische weibliche Gewaltopfer“ gibt es nicht.
Alter, Bildung und kultureller Hintergrund spielen keine Rolle. Was jedoch auffällt: Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben zwei- bis dreimal häufiger körperliche Gewalt. Weil sie wehrlos und schutzbedürftig sind.
„Mir passiert sowas nicht!“
Sei vorsichtig mit solchen Aussagen – sie gaukeln falsche Sicherheit vor.
Zu Gewaltopfern zählen auch selbstbewusste und erfolgreiche Frauen. Solche, von denen du es nie erwarten würdest. Sie tun sich meist besonders schwer damit, das einzugestehen. Gerade weil sie davon überzeugt sind, niemals Opfer zu sein.
Gewalterfahrungen sind für Frauen in Deutschland alltäglich:
Jede Dritte wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt.
Etwa jede Vierte erlebt Gewalt durch ihren (Ex)Partner.
Quelle: BMFSFJ
Das sind die Ursachen
Warum erleben Frauen so viel häufiger Gewalt? Das liegt zum Großteil an fehlender Gleichberechtigung. Laut Grundgesetz haben Frauen und Männer zwar dieselben Rechte, doch in der Realität sieht das anders aus: Frauen verdienen schlechter, leisten mehr unbezahlte Care-Arbeit, kümmern sich überwiegend um die Kinder, haben im Alter weniger Geld zur Verfügung.

02.07.2025
Häusliche Gewalt: Es passiert meist hinter verschlossenen Türen
Die Gefahr im eigenen Zuhause.
Männer haben eine bevorzugte Stellung – an ihren Werten orientiert sich unsere Gesellschaft (Patriarchat). Viele glauben, sie wären Frauen überlegen. Diese Männer handeln entsprechend, indem sie Macht und Kontrolle an sich reißen. Das zieht sich durch alle Bereiche: Politik und Wirtschaft, öffentliches Leben und Partnerschaften.
Machtspiele
Einige Männer halten an ihrer Macht fest. Sie haben kein Interesse daran, mit Frauen auf Augenhöhe zu sein. Diese Einstellung ist eine Grundlage von Gewalt.
Keine Rechte für Ehefrauen
Sich widersetzen, Rechte einfordern, die eigene Meinung durchsetzen: Für Frauen ist das historisch gesehen neu. Denn sie waren stets unterlegen. Lange Zeit durften Männer als „Familienoberhaupt“ ihre Frauen und Kinder misshandeln. Das galt als Privatsache.
Der Mann durfte körperliche Strafen anwenden, um seine Stellung zu festigen. Laut dem „Züchtigungsrecht“ war das legal. In ganz Deutschland wurde es erst 1928 abgeschafft.
Bis in die 1960er Jahre herrschten Männer alleine über die Familie. Frauen bekamen noch nicht einmal das Sorgerecht für ein uneheliches Kind. Der Mann hatte das letzte Wort.
Die Ehefrau musste ihrem Mann sexuell zur Verfügung stehen – darin bestand ihre „eheliche Pflicht“.
Somit war Vergewaltigung unter Verheirateten keine Straftat. Das änderte sich erst 1997! Übrigens: Unser Bundeskanzler Friedrich Merz stimmte damals dagegen.
Ehefrauen hatten lange kein Recht, ihren Namen nach der Hochzeit zu behalten. Auch durften sie ohne männliche Erlaubnis nicht arbeiten gehen. Sogar die Verwaltung des Geldes lag beim Ehemann – Frauen durften erst ab 1958 ein eigenes Konto führen.
Die Ehe-Falle
Heute noch ist eine Ehe die Basis für finanzielle Gewalt. Weil viele Frauen die Verantwortung für ihr Vermögen an den Mann abgeben.
7 Arten von Gewalt gegen Frauen
Gewalt steigert sich oft schleichend. Aus dem einzelnen „Ausrutscher“ kann lebensbedrohlicher Ernst werden. Lerne hier die gängigsten Arten von Gewalt kennen. Beachte: Oft treten mehrere Formen gleichzeitig auf. Sie lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen.
Von körperlicher Gewalt ist die Rede, sobald ein Mensch deinem Körper oder deiner Gesundheit schadet: Schläge, Tritte, Stöße, Verletzungen mit Gegenständen, Würgen, Beißen und Kratzen uvm. Schon eine „kleine“ Ohrfeige zählt dazu. Statt körperlicher Gewalt kann man auch physische Gewalt oder Körperverletzung sagen.
Seelische Gewalt (auch psychische oder emotionale Gewalt) ist oft eine Vorstufe körperlicher Gewalt. Sie beginnt bereits, wenn jemand dein Selbstvertrauen angreift. Dabei will er dich klein machen, um sich selbst groß zu fühlen. So etwas hinterlässt zunächst keine sichtbaren Spuren – und ist deshalb schwer nachzuweisen.
Sexualisierte Gewalt bedeutet, dass jemand sexuelle Handlungen nutzt, um Macht über eine Person auszuüben. Sind Kinder oder Jugendliche betroffen, ist das sexueller Missbrauch (Kindesmissbrauch). Die Täter handeln dabei gegen den Willen bzw. ohne die Zustimmung des Opfers.
Häusliche Gewalt geschieht zwischen Menschen, die in einer engen Beziehung unter einem Dach leben oder lebten. Darum sagt man dazu auch Partnerschaftsgewalt oder Beziehungstat. Häufig führt eine Trennung zu häuslicher Gewalt oder verstärkt sie. Familienmitglieder oder WG-Mitbewohner können ebenfalls zu Tätern werden.
Finanzielle Gewalt ist Machtmissbrauch. Darum ist finanzielle Gewalt ein Teilbereich häuslicher Gewalt. Schauplatz sind Beziehungen: Etwa nutzt der besser Verdienende seine Position, um dich als Partnerin an sich zu binden. Er verbietet dir, arbeiten zu gehen, eigenes Geld bzw. ein eigenes Konto zu besitzen.
Versucht jemand, dir mit technischen Mitteln (Handy, GPS-Tracker) oder über digitale Medien (E-Mail, App, Internet etc.) zu schaden, nennt man das digitale Gewalt. Dazu gehören auch Angriffe auf Online-Portalen oder Social Media. Es kommt vor, dass Täter auch im realen Leben handgreiflich werden.
Von institutioneller Gewalt ist die Rede, wenn Mitarbeiter oder Vorgesetzte einer Einrichtung (Krankenhaus, Firma) übergriffig werden. Zum Beispiel Polizisten, Richter, Ärzte oder Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe. Die Täter sind männlich und weiblich. Sie drohen, beleidigen, geben sexistische Kommentare ab oder schreien die Betroffenen an.
Schutz durch Recht und Gesetz
Kennst du den TikTok-Trend „Mann oder Bär?“ Hier wurden Frauen gefragt, wem sie lieber allein im Wald begegnen würden. Dabei kam heraus: Viele Frauen haben mehr Angst vor einem Mann als vor dem Raubtier. Fest steht, dass Frauen noch viel besser vor Gewalt geschützt werden müssen. Dazu gibt es schon gute Ansätze (Istanbul-Konvention).
Das Gewaltschutzgesetz
Du hast bereits Beziehungsgewalt erfahren? Dann sollst du nicht noch weiter verletzt werden. Dafür gibt es das Gewaltschutzgesetz.
Frauenrechte sind Menschenrechte
Auf dem Papier sind Frauen und Männer einander gleichgestellt. Freiheit, Bildung, Arbeit, Nahrung und Gesundheit – das sind Menschenrechte, die für alle gelten. Egal wo sie herkommen, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe sie haben. Das beschlossen die Vereinten Nationen (dazu gehören fast alle Staaten der Erde) 1948.

Gewalt gegen Frauen bekämpfen
Jeder einzelne Mensch kann Gewalt gegen Frauen eindämmen. Das Umdenken kommt von innen heraus. Der erste Schritt ist, gut informiert zu sein. So kannst du Gewalt bei dir und anderen erkennen. Sprich offen darüber. Schau und höre hin, biete Hilfe an oder suche dir welche. Je mehr Leute danach handeln, desto schwerer wird es für die Täter.
Damit das bei möglichst vielen ankommt, gibt es einige Möglichkeiten: Man könnte gewaltfreie Kommunikation als Pflichtfach an Schulen einführen. Behörden, Einrichtungen und Firmen sollten ihre Mitarbeiter in der Richtung ausbilden. Nicht zuletzt ist der Staat in der Verantwortung. Er hat die Aufgabe, für echte Gleichstellung zu sorgen. Eine, die nicht nur auf Papier stattfindet.
Save the date
Am 25. November ist der internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen.
Deine Anlaufstellen bei Gewalt
- Bist du akut in Gefahr, wähle die 110!
- Damit der Täter nicht unbestraft davonkommt, kannst du Anzeige bei der Polizei erstatten.
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016.
Anonym, kostenlos, in 18 Sprachen, 24 Stunden erreichbar. Online-Beratung unter: www.hilfetelefon.de . Die Mitarbeiterinnen glauben dir! Sie vermitteln Kontakte (Polizei, Anwältin, Opferhilfe). Auch Menschen aus dem Umfeld von Betroffenen können sich Rat einholen.
Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.
FAQ
Was versteht man unter Gewalt gegen Frauen?
Frauen erleben überall Gewalt. Etwa in Ehe und Partnerschaft, am Arbeitsplatz, auf offener Straße, in der Geburtshilfe oder durch Familiengerichte. Die Täter sind meistens männlich. Sie gefährden die körperliche und seelische Gesundheit von Frauen sowie deren Kindern.
Welche Arten von Gewalt gegen Frauen gibt es?
Gewalt gegen Frauen zeigt sich unterschiedlich. Die häufigsten Formen sind körperliche, seelische, sexualisierte, häusliche, finanzielle, digitale und institutionelle Gewalt. Oft treten mehrere Arten gleichzeitig auf oder gehen ineinander über.
Wie kann man Gewalt gegen Frauen bekämpfen?
Gewaltfreie Kommunikation könnte an Schulen zum Pflichtfach werden. Behörden, Firmen und Einrichtungen sollten ihre Mitarbeiter über das Thema aufklären. Die Staaten müssten bestehende Regelungen wie die Istanbul-Konvention oder die Erklärung der Menschenrechte strenger umsetzen. Auf lange Sicht sorgt nur die reale Gleichstellung von Frauen und Männern dafür, dass die Gewaltbereitschaft sinkt.
Einige Formen der hier aufgeführten Gewalt hab ich erlebt und mich nicht entsprechend gewehrt. Ich wollte Konflikte vermeiden, spürte Angst und Scham, nahm mein Empfinden nicht so wichtig. Vielen Betroffenen geht es so. Deshalb ist Gewalt gegen Frauen immer noch weit verbreitet. Etliche Täter kommen ungestraft davon.




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