Gewalt gegen Frauen

von

Conni Wilz

und

Bea Berger

Gewalt gegen Frauen Femformation
Gewalt gegen Frauen ist alltäglich. Schau nicht weg! Bild: © Bekah Allmark auf Unsplash

Ein gewaltfreies Leben ist ein Menschenrecht. Trotzdem erleben Frauen und Mädchen täglich Übergriffe. Ob Belästigung, Bedrohung, Prügel oder Rassismus: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter.

Was Gewalt gegen Frauen bedeutet

Wenn du dir eine Frau vorstellen sollst, die Gewalt erfahren hat – welches Bild hast du im Kopf? Vielleicht einen bandagierten Arm, Blutergüsse oder ein blaues Auge. So werden die Opfer häufig dargestellt.

Doch Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst beim Zuschlagen: Es geht schon los, wenn dich jemand grob am Arm packt oder mit Worten bedroht. Und zwar, weil du eine Frau bist („geschlechtsspezifische Gewalt“).

Die Spanne reicht von Angriffen auf dein Selbstvertrauen bis hin zu Körperverletzung. Im schlimmsten Fall endet das tödlich. Täter sind überwiegend Männer. Sie haben unterschiedliche soziale Hintergründe: Ein Chefarzt kann genauso übergriffig sein wie ein Fahrlehrer.

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Gewalt gegen Frauen passiert überall:

  • in Ehe, Partnerschaft oder Familie
  • in der Geburtshilfe
  • auf offener Straße
  • am Arbeitsplatz
  • zuhause
  • online
  • auf Reisen
  • im Club
  • bei Behörden

Manchmal ist Gewalt auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Vor allem, wenn sie auf seelischer Ebene stattfindet. Zum Beispiel leugnet dein Partner Dinge, die er getan oder gesagt hat. Und behauptet, du würdest dir alles nur einbilden. Solche Psycho-Spielchen können bewirken, dass du an deiner Wahrnehmung zweifelst.

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Gewalt gegen Frauen ist ein weltweites Problem. © Faruk Tokluoğlu auf Pexels

Das „typische weibliche Gewaltopfer“ gibt es nicht.

Alter, Bildung und kultureller Hintergrund spielen keine Rolle. Was jedoch auffällt: Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben zwei- bis dreimal häufiger körperliche Gewalt. Weil sie wehrlos und schutzbedürftig sind.

„Mir passiert sowas nicht!“

Sei vorsichtig mit solchen Aussagen – sie gaukeln falsche Sicherheit vor.

Zu Gewaltopfern zählen auch selbstbewusste und erfolgreiche Frauen. Solche, von denen du es nie erwarten würdest. Sie tun sich meist besonders schwer damit, das einzugestehen. Gerade weil sie davon überzeugt sind, niemals Opfer zu sein.

Zahlen_Fakten

Das sind die Ursachen

Warum erleben Frauen so viel häufiger Gewalt? Das liegt zum Großteil an fehlender Gleichberechtigung. Laut Grundgesetz haben Frauen und Männer zwar dieselben Rechte, doch in der Realität sieht das anders aus: Frauen verdienen schlechter, leisten mehr unbezahlte Care-Arbeit, kümmern sich überwiegend um die Kinder, haben im Alter weniger Geld zur Verfügung.


Frau sitzt am Tisch Thema häusliche Gewalt

02.07.2025

Die Gefahr im eigenen Zuhause.


Männer haben eine bevorzugte Stellung – an ihren Werten orientiert sich unsere Gesellschaft (Patriarchat). Viele glauben, sie wären Frauen überlegen. Diese Männer handeln entsprechend, indem sie Macht und Kontrolle an sich reißen. Das zieht sich durch alle Bereiche: Politik und Wirtschaft, öffentliches Leben und Partnerschaften.

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Keine Rechte für Ehefrauen

Sich widersetzen, Rechte einfordern, die eigene Meinung durchsetzen: Für Frauen ist das historisch gesehen neu. Denn sie waren stets unterlegen. Lange Zeit durften Männer als „Familienoberhaupt“ ihre Frauen und Kinder misshandeln. Das galt als Privatsache.

Der Mann durfte körperliche Strafen anwenden, um seine Stellung zu festigen. Laut dem „Züchtigungsrecht“ war das legal. In ganz Deutschland wurde es erst 1928 abgeschafft.

Bis in die 1960er Jahre herrschten Männer alleine über die Familie. Frauen bekamen noch nicht einmal das Sorgerecht für ein uneheliches Kind. Der Mann hatte das letzte Wort.

Die Ehefrau musste ihrem Mann sexuell zur Verfügung stehen – darin bestand ihre „eheliche Pflicht“.

Somit war Vergewaltigung unter Verheirateten keine Straftat. Das änderte sich erst 1997! Übrigens: Unser Bundeskanzler Friedrich Merz stimmte damals dagegen.

Ehefrauen hatten lange kein Recht, ihren Namen nach der Hochzeit zu behalten. Auch durften sie ohne männliche Erlaubnis nicht arbeiten gehen. Sogar die Verwaltung des Geldes lag beim Ehemann – Frauen durften erst ab 1958 ein eigenes Konto führen.

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7 Arten von Gewalt gegen Frauen

Gewalt steigert sich oft schleichend. Aus dem einzelnen „Ausrutscher“ kann lebensbedrohlicher Ernst werden. Lerne hier die gängigsten Arten von Gewalt kennen. Beachte: Oft treten mehrere Formen gleichzeitig auf. Sie lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen.

Schutz durch Recht und Gesetz

Kennst du den TikTok-Trend „Mann oder Bär?“ Hier wurden Frauen gefragt, wem sie lieber allein im Wald begegnen würden. Dabei kam heraus: Viele Frauen haben mehr Angst vor einem Mann als vor dem Raubtier. Fest steht, dass Frauen noch viel besser vor Gewalt geschützt werden müssen. Dazu gibt es schon gute Ansätze (Istanbul-Konvention).

Das Gewaltschutzgesetz

Du hast bereits Beziehungsgewalt erfahren? Dann sollst du nicht noch weiter verletzt werden. Dafür gibt es das Gewaltschutzgesetz.

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3 Schutzmaßnahmen, die Opfer von Gewalt bei Gericht beantragen können:

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 1. Dass der Täter die gemeinsame Wohnung nicht mehr betreten darf

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2. Dass er sich nur noch auf eine bestimmte Entfernung annähern darf

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3. Dass er keinen Kontakt mehr zu dir aufnehmen darf

Frauenrechte sind Menschenrechte

Auf dem Papier sind Frauen und Männer einander gleichgestellt. Freiheit, Bildung, Arbeit, Nahrung und Gesundheit – das sind Menschenrechte, die für alle gelten. Egal wo sie herkommen, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe sie haben. Das beschlossen die Vereinten Nationen (dazu gehören fast alle Staaten der Erde) 1948.

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Auf Demos kämpfen Frauen schon lange für ihre Rechte und setzen sich gegen Gewalt ein. Bild: © Carrie Z auf Pixabay

Gewalt gegen Frauen bekämpfen

Jeder einzelne Mensch kann Gewalt gegen Frauen eindämmen. Das Umdenken kommt von innen heraus. Der erste Schritt ist, gut informiert zu sein. So kannst du Gewalt bei dir und anderen erkennen. Sprich offen darüber. Schau und höre hin, biete Hilfe an oder suche dir welche. Je mehr Leute danach handeln, desto schwerer wird es für die Täter.

Damit das bei möglichst vielen ankommt, gibt es einige Möglichkeiten: Man könnte gewaltfreie Kommunikation als Pflichtfach an Schulen einführen. Behörden, Einrichtungen und Firmen sollten ihre Mitarbeiter in der Richtung ausbilden. Nicht zuletzt ist der Staat in der Verantwortung. Er hat die Aufgabe, für echte Gleichstellung zu sorgen. Eine, die nicht nur auf Papier stattfindet.

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Deine Anlaufstellen bei Gewalt

  • Bist du akut in Gefahr, wähle die 110!
  • Damit der Täter nicht unbestraft davonkommt, kannst du Anzeige bei der Polizei erstatten.
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016.
    Anonym, kostenlos, in 18 Sprachen, 24 Stunden erreichbar. Online-Beratung unter: www.hilfetelefon.de . Die Mitarbeiterinnen glauben dir! Sie vermitteln Kontakte (Polizei, Anwältin, Opferhilfe). Auch Menschen aus dem Umfeld von Betroffenen können sich Rat einholen.

Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.

Avatar von Conni Wilz

Einige Formen der hier aufgeführten Gewalt hab ich erlebt und mich nicht entsprechend gewehrt. Ich wollte Konflikte vermeiden, spürte Angst und Scham, nahm mein Empfinden nicht so wichtig. Vielen Betroffenen geht es so. Deshalb ist Gewalt gegen Frauen immer noch weit verbreitet. Etliche Täter kommen ungestraft davon.

Frauensupport

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