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People Pleasing: Die Angst, du selbst zu sein

von

Conni Wilz

People Pleasing Femformation
Nettsein als Strategie? Das ist People Pleasing. © Angel Lopez auf Unsplash

Sagst du oft Ja, obwohl du innerlich Nein schreist? Willkommen im Club der People Pleaser! Erfahre, wie diese nette Form der Kontrolle dein ganzes Leben und deine Sexualität beeinflusst – und was du tun kannst, um wieder bei dir anzukommen. Mit Nein-Leitfaden.

Was ist People Pleasing?

People Pleasing bedeutet, du machst es immer allen recht. Deine Meinung und deine Bedürfnisse stellst du ganz hinten an. Fehlende Harmonie kannst du kaum aushalten. Darum sorgst du dafür, dass sich alle verstehen. Hauptsache, den anderen geht es gut. Das ist die Voraussetzung dafür, dass du dich wohlfühlen und entspannen kannst.

Klingt doch gar nicht so schlecht, denkst du vielleicht.
Aber: People Pleasing ist eine Form von Kontrolle – nur eben auf die nette Art.

Dahinter verbirgt sich die tiefe Angst vor Ablehnung. Dieses unangenehme Gefühl möchten People Pleaser vermeiden. Daher wollen sie um jeden Preis gefallen. Lieber stecken sie zurück, als jemanden mit einer unbequemen Wahrheit zu konfrontieren.

Auf die Art steuern sie das Bild, das die Leute von ihnen haben. Der Preis dafür ist hoch: People Pleaser bewerten ihren Nutzen für die Bezugsperson höher als den Schmerz, den sie sich dadurch selbst zufügen.

Oft entwickelt sich dieses Verhaltensmuster in der Kindheit. Vielleicht wurde dir das vorgelebt oder deine Familie hat dich beschämt, wenn du dein authentisches Selbst gezeigt hast. Du bekamst nur Liebe und Anerkennung für bestimmtes Verhalten. Daraus entstand ein ungesundes Selbstbild.

So kreisen deine Gedanken um die Frage:
Wie muss ich sein, damit andere mich mögen?

Auch Mobbing sowie unberechenbare Bezugspersonen sind eine mögliche Ursache. Hier wurde People Pleasing zur Taktik, um nicht unangenehm aufzufallen.

People Pleasing ist nicht immer ein Problem. In jeder von uns steckt dieser Anteil. Denn als soziale Wesen brauchen wir bestimmte Fähigkeiten, um unseren Platz in der Gruppe einzunehmen. Anpassung ist gesund, solange du dich nicht selbst verleugnest.

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10 Anzeichen von People Pleasing:

  1. Wenn dich jemand wütend oder traurig macht, kannst du das kaum bis gar nicht zeigen. Du schluckst negative Gefühle runter.
  2. Du kannst nicht Nein sagen und nimmst anderen Aufgaben ab, auch wenn es dir damit schlecht geht.
  3. Konflikten gehst du aus dem Weg. Sie machen dir Angst und du kannst nicht für dich einstehen. Bei Streit gibst du klein bei.
  4. Du übernimmst die Meinungen anderer, damit Harmonie herrscht.
  5. Du entwickelst leicht Schuldgefühle und entschuldigst dich auch für Dinge, die du nicht verursacht hast.
  6. Mit Ablehnung, Kritik, Verlust und Enttäuschung kommst du schwer klar.
  7. Für die Emotionen deiner Mitmenschen fühlst du dich verantwortlich.
  8. Es fällt dir schwer, andere um Hilfe zu bitten. Auf keinen Fall willst du sie nerven oder als Belastung empfunden werden. Außerdem denkst du, du seist den Aufwand nicht wert.
  9. Deine Entscheidungen orientieren sich daran, ob andere sie gut finden.
  10. Du hast oft das Gefühl, ausgenutzt zu werden, weil du viel gibst und wenig bekommst.
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People Pleaser beugen sich dem Willen und den Launen ihres Umfelds. © Julia Arte auf Unsplash

Das sind die Folgen

People Pleaser tun sich oft schwer damit, auf ihre körperliche und seelische Gesundheit zu achten. Manche fühlen sich dem Leben hilflos ausgeliefert und kommen innerlich kaum zur Ruhe. Sie sind ständig damit beschäftigt, ihr Umfeld abzuscannen.

So verlieren sie sich aus dem Blick, fühlen sich zum Teil emotional taub und kennen ihre Bedürfnisse nicht. Auf Dauer bedeutet das Stress bis hin zur Selbstaufgabe. Da Gefühle unterdrückt werden, steigt das Risiko für Angsterkrankungen, Burnout und Depressionen.

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Bindungen und Sex als People Pleaser

Weil People Pleaser zurückstecken und die „Schuld“ für schlechte Stimmung bei sich suchen, landen sie leicht in Abhängigkeiten. Beziehungen führen sie nach dem Motto: Lieber verletze ich mich, als dich zu verletzen. Dadurch lassen sie sich auf vielen Ebenen ausnutzen und sind oft auch sexuell unterwürfig.

Indem sie ihre Lust für unwichtig halten, leben People Pleaser nicht ihre eigene Sexualität, sondern die des anderen. Dabei spüren sie sich kaum, weil sie performen: Sie tun alles (auch Dinge, die sie nicht wollen), damit der Sexpartner auf seine Kosten kommt.

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People Pleaser leben in der ständigen Sorge, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse der Bindung schaden könnten.

Das geht teils so weit, dass sie sich und ihr Leben für den Partner aufgeben. Findest du dich darin wieder? Dann führst du eine Beziehung, die nur funktioniert, solange du dich zurücknimmst.

Dein Gegenüber kennt dich nicht wirklich, da du deine vermeintlich unschönen Seiten versteckst. Damit belügst du dich und dein Umfeld. Nettsein ist deine falsche Identität. Deine wahren Gefühle versteckst du hinter Freundlichkeiten.

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In gesunden Bindungen auf Augenhöhe darfst du dich ausdrücken ohne Angst vor schlimmen Reaktionen. Du kannst offen sagen, was du brauchst – auch wenn es deinen Freunden oder Partnern unangenehm ist.

Reife Menschen, die dein Wohl im Blick haben, nehmen deine Bedürfnisse ernst. Beleidigtsein ist eine Strategie, um dich auf Linie zu halten. Wer sich darüber aufregt, dass du deine Grenzen hältst, war nie an einem echten Miteinander interessiert.

Eltern als People Pleaser

Du erfüllst deinen Kindern alle Wünsche und stellst ihre Bedürfnisse immer über deinen eigenen? Dann wirkt sich dein People Pleasing auch auf deinen Nachwuchs aus. Dabei ist dein Nein hier besonders wichtig. Nur, weil dein Kind etwas unbedingt will, heißt das nicht, dass es diese Sache auch braucht bzw. sie ihm gut gut.

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Als Erwachsene ist es dein Job, Grenzen zu setzen und Führung zu übernehmen. Auch gegen den Willen deiner Kinder. Selbst dann und gerade wenn deine Haltung eine Gefühlsexplosion auslöst.

Wut, Frust und Trauer gehören zum Leben dazu – du kannst und solltest deinen Nachwuchs nicht davor bewahren. Gib ihm mit auf den Weg, dass er mit allen Emotionen umzugehen lernt. Geh selber als Beispiel voran.

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Schluss mit lustig! Unterdrückte Gefühle können sich bei People Pleasern in Form von Wutanfällen zeigen. © Not my real name auf Unsplash

Die Wut der People Pleaser

Wie es wirklich in dir aussieht, willst du anderen nicht zumuten? Dahinter steckt die Furcht, zu viel zu sein bzw. zu wollen. Deine innere Stimme sagt vielleicht: Ich darf mich nicht echt zeigen, sonst werde ich abgelehnt. Diese Selbstverleugnung kann heftige Wut erzeugen.

Manche People Pleaser richten ihren Zorn auf sich. Bei anderen platzt er eines Tages raus. So entsteht scheinbar aus dem Nichts ein Riesendrama. Wenn du auf diese Weise deine Wut rauslässt, schadet das deinen Beziehungen.

Womöglich bezeichnest du gewisse Menschen als Täter, weil sie immer wieder Grenzen überschritten haben, die du nicht klar definiert hast.

Warst du auch sexuell unterwürfig, kann sich eine heftige Ablehnung gegen deine Sexualität oder Sex im Allgemeinen entwickeln. Die gute Nachricht: Du kannst solche Situationen vermeiden bzw. auflösen, indem du lernst, dein Nein stabil zu halten.

Raus aus dem People Pleasing

Finde heraus, woher deine Strategie kommt. Beobachte dich mal selbst. Nicht bewertend, sondern neugierig. Führe Tagebuch und schreibe Situationen auf, in denen du dich übergangen hast. Wie hast du dich davor, währenddessen und danach gefühlt?

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Nutze deine Beobachtungen als Wegweiser: Wo stehst du und wo willst du hin? Du kannst täglich neu entscheiden, welche Richtung du einschlägst. Auch wenn du bisher immer so gelaufen bist, darfst du jederzeit umdrehen. Erlaube dir das innerlich.

Dann gehe den ersten Schritt, indem du auf deine inneren Widerstände hörst. Spürst du dein Nein, z.B. als Enge in der Brust oder im Hals? Folge ihm. Es ist die Voraussetzung dafür, dass du aus vollem Herzen Ja sagen kannst.

Mantra für People Pleaser:

Wer mein Nein nicht respektiert, respektiert mich nicht.

Der Nein-Leitfaden in 4 Schritten

Löst der Gedanke an dein Nein Beklemmung aus? Dann hilft dir dieser Leitfaden. Du kannst daraus eine kleine Challenge machen und dir z.B. vornehmen, jede Woche mindestens einmal dein Nein zu üben. Nimm eine spielerische Grundhaltung ein nach dem Motto: „Mal schauen, was passiert, wenn ich so reagiere.“

1. Mini-Neins im Alltag

Fang an mit kleinen Neins in harmlosen Situationen.

  • Im Café: „Nein, ich möchte keinen Keks dazu.“
  • Beim Einkaufen: „Nein, ich brauche keine Kundenkarte.“
  • In der Familie: „Nein danke, ich habe keinen Hunger mehr.“
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Neinsagen kannst du im Alltag üben. ©Andrew Martin auf Pixabay

2. Sanftes Nein mit Alternativen

Eine Grenze aufzeigen und trotzdem hilfsbereit und verbindlich bleiben? Mit einem „Nein, aber…“ gelingt das.

  • „Ich kann dir heute nicht beim Umzug helfen, aber wenn du nächste Woche Unterstützung bei der Einrichtung brauchst, bin ich da.“
  • „Ich verstehe, dass das schwierig für dich ist, aber meine Entscheidung steht. Lass uns etwas machen, wenn ich wieder mehr Energie habe.“
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3. Klares Nein ohne Ausrede

Dein Nein gilt auch ohne Erklärung. Beobachte die Reaktion darauf: Wer deine Grenzen immer wieder ausdiskutieren will, führt keinen Dialog, sondern betreibt ein Machtspiel.

  • „Das passt für mich leider nicht.“
  • „Ich kann das nicht übernehmen.“
  • „Ich möchte das diesmal nicht machen.“
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Wie gut kannst du dein Nein als People Pleaserin halten, wenn Gegenwind kommt? © Erik Mc Lean auf Unsplash

4. Grenzen halten trotz Gegenwind

Dein Gegenüber lässt nicht locker? Bleibe bei dir und wiederhole deine Aussage. Das stärkt dein Selbstvertrauen, weil du dir beweist, dass du dein Nein halten kannst. Je öfter du das übst, desto leichter wird es. Bei sehr hartnäckigen Personen sei bereit zu gehen oder aufzulegen. Das ist nicht unhöflich, sondern Selbstschutz.

  • „Ich habe gesagt, was ich zu sagen habe. Für mich ist das Gespräch hier zu Ende.“
  • „Wir sehen das unterschiedlich und ich möchte das Thema jetzt beenden.“
  • „Ich wiederhole mich nicht mehr – ich gehe jetzt.“
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Vorsicht vor Overexplaining!

Viele People Pleaser neigen zum Übererklären (Overexplaining), wenn ein klares Nein fällig wäre. Ist das bei dir so? Dann hast du evtl. gelernt: Wenn du nicht alles erläuterst, rechtfertigst und absicherst, drohen Liebesentzug, Schuldzuweisung oder Ablehnung.

Durch Overexplaining willst du Konflikte entschärfen und Missverständnisse meiden nach dem Motto: Bitte versteh mich – ich bin doch nicht schlecht! Das ist ein aussichtsloser Kampf. Denn du kannst nicht kontrollieren, wie andere dich sehen. Lass es zu, „die Böse“ in ihrer Geschichte zu sein.

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Du gibst ungewollt Macht ab, weil du mehr als nötig reagierst, anstatt bei dir zu bleiben. Manipulative Personen nutzen deine Offenheit, um deine Argumente zu verdrehen oder zu entkräften. Darum diskutiere und rechtfertige dich nicht. Deine Grenze braucht keine Genehmigung von außen.

Stärke die Beziehung zu dir selbst

Letztlich bist du gefragt, für dich zu sorgen. Das kannst du an niemanden abgeben. Darum pflege die Beziehung zu dir selbst. Gib dir die Fürsorge, die du sonst auf andere richtest. Beschenke dich. Tu dir etwas Gutes. Liste täglich Dinge auf, worauf du stolz bist – unabhängig von anderen. Das stärkt deinen Selbstwert.

Wenn nötig, hole dir Unterstützung durch Therapeuten oder Coaches. Das ist hilfreich, wenn du den Bezug zu deinen Bedürfnissen und deiner Meinung verloren hast oder gesundheitliche Probleme bekommst.

Es ist nicht deine Aufgabe, mich zu mögen. Es ist meine.

Byron Katie (Autorin)

Konflikte aushalten

Ablehnung, Streit und Enttäuschung fühlen sich für dich so bedrohlich an wie ein Weltuntergang? Diese Furcht stammt vermutlich aus einer Zeit, als du von deinen Bezugspersonen abhängig warst. Es war für dich gefährlich, eine andere Meinung zu haben.

Etwa wurdest du dafür ausgelacht oder man hat deine Ansicht ignoriert und als falsch dargestellt. Evtl. hat dein Umfeld mit starker Wut oder Trauer auf deine Äußerung reagiert. Was du daraus gelernt hast? Du lässt dich im Stich, um mit anderen in Verbindung zu sein.

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Dein Nein ist nicht zwingend das Ende der Beziehung, sondern der Beginn von Selbstrespekt.
Suche in deinem Umfeld Übungspartner, mit denen du offen sprechen kannst. Z.B.: „Ich habe gerade Angst, dass du mich nicht mehr magst.“

Gute Freunde werden dich ermutigen, deine Wahrheit auszusprechen. So entsteht Intimität. Du lernst: Konflikte gehören zum Miteinander und können es stärken.

Deine Superkraft

Fühlst du dich als People Pleaser ertappt? Mach dir keinen Stress! In der richtigen Dosierung ist das eine Superkraft. Deine emotionale Intelligenz, die feinen Antennen und das Gespür für die Bedürfnisse deines Umfelds können dich zum beruflichen Erfolg führen und tiefe Bindungen ermöglichen.

Dein sensibles Wesen ist ein Geschenk an die Welt! Die einzige (und wohl größte) Herausforderung ist, dich im Kontakt mit anderen nicht zu verlieren. Dein Weg in die Freiheit lautet: Ich gebe lieber die Bindungen zu anderen auf, bevor ich mich selbst aufgebe.


Alle Quellenangaben findest du in diesem Dokument.

Avatar von Conni Wilz

Auch, wenn viele es nicht denken würden: Ich war eine People Pleaserin vor dem Herrn. Meine Wahrheit zu leben, mein Nein zu fühlen und auszusprechen, ist immer noch eine tägliche Herausforderung. People Pleasing ist für mich Fluch und Segen. Doch ich bin immer besser in der Lage, den Segen anzuerkennen und zu leben.

Frauensupport

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Kommentare zu „People Pleasing: Die Angst, du selbst zu sein“

  1. Avatar von Maria Anna Suren
    Maria Anna Suren

    Total interessant der Artikel! Jetzt werde ich mich selbst beobachten, wo ich stehe in diesem Kontext.
    Das Zitat von Byron Kate zur Selbstliebe werde ich mir an die Schranktür kleben :-).

    1. Avatar von Conni Wilz
      Conni Wilz

      Hallo Maria,
      danke erstmal für deine Rückmeldung.
      Schön zu lesen, dass dich der Beitrag inspiriert und zum Nachdenken angeregt hat 🙂

      Viele Grüße von Conni

  2. Avatar von Sabine Korte
    Sabine Korte

    Bei diesem Artikel habe ich mich bei vielen Punkten angesprochen gefühlt. Dabei fiel mir wieder ein: Nein. ist ein vollständiger Satz. Vergeß ich oft.

    1. Avatar von Bea Berger

      Liebe Sabine, genau so ist es. Ein Nein allein darf genügen.