Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eine Art Messgerät für die Wirtschaft. Es zeigt, wie viel „Geldwert“ an Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Landes in einem Jahr produziert wird.
Beispiel: Wenn in Deutschland Autos gebaut, Brötchen verkauft, Haare geschnitten und Software programmiert werden, ergibt alles zusammen das BIP. Steigt es, läuft die Wirtschaft gut. Wird weniger produziert oder verkauft, schwächelt sie. Anhand des BIP wird auch die Wirtschaftsleistung der Länder untereinander verglichen.
Wie wird das BIP ermittelt?
Es gibt drei Möglichkeiten, das Bruttoinlandsprodukt zu errechnen:
- Entstehungsrechung:
Das BIP wird direkt am Wachstum der verschiedenen Wirtschaftsbereiche (z.B. Dienstleistungsgewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Handel) gemessen. Also an den Bereichen, aus denen heraus es entsteht. - Verwendungsrechung:
Hier wird das BIP aus privatem und dem staatlichem Konsum berechnet. - Verteilungsrechung:
Grundlage sind Löhne und Gehälter sowie die Gewinne der Unternehmen und Vermögenserträge.
Gut zu wissen
Um die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland darzustellen, nutzt man eine Kombination aus Entstehungs- und Verwendungsrechnung.
Kritik am Bruttoinlandsprodukt
Das BIP zeigt nur, was in Geld gemessen und verkauft wird. Das ist seine größte Schwäche. Denn was nicht bezahlt wird, taucht im BIP nicht auf. Zum Beispiel:
- Kinderbetreuung durch Eltern
- Pflege von Angehörigen
- ehrenamtliche Arbeit
- Hausarbeit oder Nachbarschaftshilfe.
Die genannten Tätigkeiten zählen zu Care-Arbeit. Diese leisten weltweit überwiegend Frauen. Der Wert wird auf Milliarden geschätzt und kurbelt die Wirtschaft an. Wenn jemand seine Mutter zu Hause pflegt, zählt das nicht ins BIP. Wird dieselbe Arbeit von einer bezahlten Pflegekraft geleistet, steigt es. Daran sieht man, wie einseitig das BIP misst, was für die Gesellschaft wirklich wichtig ist.
Unglücklich trotz hohem BIP?
Das BIP sagt nichts über die Lebensqualität aus. Ein Land kann ein hohes BIP haben, doch zugleich können viele Bürger unglücklich, krank oder arm sein.
Zudem berücksichtigt das BIP keine Umweltkosten. Werden Wälder abgeholzt oder Ressourcen verbraucht, steigt oft sogar das BIP – obwohl die Umstände der Natur schaden.
Deshalb fordern viele Expertinnen und Experten, neben dem BIP auch andere Indikatoren zu nutzen. Etwa für Wohlbefinden, Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Hier könnte Bhutan ein Vorbild sein: Das buddhistische Königreich misst den Erfolg seiner Politik nicht am Einkommen der Bevölkerung, sondern am sogenannten „Bruttonationalglück“.

